E-Learning erstellen mit KI: Vom Skript zur fertigen Lerneinheit

E-Learning erstellen mit KI: Vom Skript zur fertigen Lerneinheit

Kurz gesagt: KI beschleunigt beim E-Learning vor allem den ersten Entwurf: Aus vorhandenen Skripten und Folien entsteht in Minuten eine Lerneinheit mit Karten und Übungsfragen. Über die Qualität entscheiden aber die Schritte davor und danach, also klare Lernziele, gute Unterlagen und eine sorgfältige fachliche Prüfung.


Was sich durch KI an der Arbeit ändert

Im mmb Trendmonitor 2025/2026 erwarten 95 Prozent von 77 befragten Fachleuten, dass generative KI in der Bildung innerhalb von drei Jahren selbstverständlich ist. 73 Prozent rechnen zugleich mit einem hohen Zeitaufwand, um die Qualität der KI-Ergebnisse zu prüfen (mmb Institut). Die Arbeit verschiebt sich damit vom Schreiben zum Vorgeben und Prüfen. Wer beides plant, spart Zeit; wer nur generiert, verschiebt den Aufwand in die Korrektur.


Sechs Schritte vom Skript zur Lerneinheit

  1. Unterlagen auswählen und prüfen: Nehmen Sie die aktuelle Fassung, möglichst mit lesbarem Text statt gescannter Seiten, und klären Sie widersprüchliche Definitionen vorab. Was in den Unterlagen falsch ist, steht später auch in der Lerneinheit.

  2. Lernziele formulieren: Schreiben Sie auf, was die Teilnehmenden danach können sollen, mit beobachtbaren Verben. Mehr dazu im Beitrag Lernziele formulieren.

  3. Den Rahmen vorgeben: Zielgruppe, Vorwissen, Niveau, Umfang, Kartentypen und was ausdrücklich nicht vorkommen soll.

  4. Entwurf erzeugen: Lassen Sie die KI aus Ihren Unterlagen arbeiten, nicht aus ihrem Allgemeinwissen. Das senkt das Risiko erfundener Fakten.

  5. Prüfen und überarbeiten: Stimmen die Fakten mit der Quelle überein? Passt jede Karte zu einem Lernziel, und muss niemand scrollen? Sind die Beispiele aus der Welt der Zielgruppe?

  6. Üben lassen und veröffentlichen: Ergänzen Sie Übungsfragen, testen Sie die Einheit mit zwei oder drei Lernenden und stellen Sie sie dann im LMS bereit, zum Beispiel als SCORM-Paket.


Typische Fehler

  • Alles auf einmal generieren: Ein ganzer Kurs in einem Durchgang wird selten gut. Kurze Einheiten zu einzelnen Lernzielen lassen sich leichter prüfen und verbessern.

  • Ungeprüft veröffentlichen: Sprachlich glatte Texte verleiten dazu, Fehler zu übersehen. Prüfen Sie besonders Zahlen, Fristen und Fachbegriffe.

  • Zu viel Text pro Karte: KI schreibt gern ausführlich. Kürzen Sie auf wenige Kernaussagen pro Karte; der Beitrag Cognitive Load Theorie erklärt, warum.

  • Nur Lesestoff: Eine Lerneinheit ohne Fragen ist ein digitales Skript. Erst Abfragen und Feedback machen daraus Lernen.


So entsteht eine Lerneinheit in Tarsus

In Tarsus heißt eine Lerneinheit Nugget. Beim Generieren geben Kursverantwortliche die Lernziele ein und können weitere Anweisungen ergänzen, etwa wie viele Textkarten entstehen sollen oder dass vor allem Audiokarten gewünscht sind. Grundlage sind die indexierten Inhalte des Arbeitsbereichs oder nur ausgewählte Nuggets. Die Eingabe lässt sich speichern und über „Lernziele laden“ wiederverwenden, wenn ein Entwurf angepasst werden soll. Das fertige Nugget öffnet sich direkt im Bearbeitungsmodus: Karten lassen sich ändern, löschen und ergänzen, der Editor weist auf zu lange Texte hin, und zu jeder Karte kann der KI-Lerncoach Übungsfragen vorschlagen. Veröffentlicht wird das Nugget per Link, QR-Code, iFrame oder als Remote-SCORM-Paket für das LMS. Statt des Nuggets selbst lässt sich auch der KI-Lerncoach zu diesem Nugget teilen, der Lernende wie eine Dozentin durch die Inhalte führt.


Häufige Fragen

Wie lange dauert es, mit KI ein E-Learning zu erstellen?

Der Entwurf einer kurzen Einheit entsteht in Minuten. Planen Sie die meiste Zeit für das Vorbereiten der Unterlagen und das fachliche Prüfen ein. Je klarer Lernziele und Rahmen sind, desto weniger muss nachgebessert werden.


Welche Unterlagen eignen sich als Grundlage?

Textbasierte, aktuelle Unterlagen wie Skripte, Handbücher und Folien mit ausformuliertem Text. Gescannte Seiten, Tabellen als Bild und Folien mit wenigen Stichworten liefern der KI wenig verwertbaren Inhalt.


Brauche ich noch ein Autorentool?

Für aufwendige, interaktive Szenarien oft ja. Für Lerneinheiten aus vorhandenen Unterlagen mit Karten, Fragen und Feedback kann eine Lernplattform mit KI-Funktionen ausreichen. Beides lässt sich auch kombinieren.


Darf ich Fachbücher als Grundlage verwenden?

Das hängt von den Rechten und Lizenzen ab. Eigene Unterlagen sind unproblematisch, bei fremden Werken sollten Sie die Nutzung vorab klären. Mehr dazu im Beitrag KI und Urheberrecht für Akademien.


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