Kurz gesagt: Eine gute Prüfungssimulation bildet die echte Prüfung in Format, Zeit und Bestehensgrenze nach, nimmt ihre Fragen aus einem größeren Pool und gibt danach ausführliches Feedback. So üben Lernende nicht nur den Stoff, sondern auch die Prüfungssituation, und Lehrende sehen rechtzeitig, wo noch Lücken sind.
Warum Probeprüfungen mehr sind als eine Generalprobe
Wer Fragen beantwortet, festigt dabei das Wissen. Üben mit Abfragen gehört zu den zwei Lerntechniken, die eine große Übersichtsarbeit als besonders nützlich einstuft (Dunlosky u. a., 2013). Eine Simulation unter Prüfungsbedingungen ergänzt das um die Erfahrung mit Zeitdruck und Format. Wie Abfragen beim Lernen wirken, erklärt der Beitrag Retrieval Practice: Warum Abfragen besser wirkt als Wiederlesen.
Fünf Entscheidungen vor dem Start
Format: Übernehmen Sie Fragetypen, Anzahl der Fragen und erlaubte Hilfsmittel aus der echten Prüfung. Eine Simulation mit anderen Fragetypen trainiert etwas anderes.
Zeitlimit: Rechnen Sie die Prüfungszeit pro Frage um. Wer 60 Minuten für 40 Fragen hat, bekommt in einer Simulation mit 20 Fragen 30 Minuten.
Bestehensgrenze: Übernehmen Sie die Grenze aus der Prüfungsordnung. In IHK-Prüfungen gilt nach dem 100-Punkte-Schlüssel ein Ergebnis ab 50 Punkten als ausreichend (IHK Rhein-Neckar).
Themengewichtung: Verteilen Sie die Fragen so auf die Themen, wie es die echte Prüfung tut, nicht so, wie es sich am leichtesten schreiben lässt.
Zeitpunkt des Feedbacks: Für eine Generalprobe zeigen Sie die Lösungen am besten erst am Ende, für Übungsdurchgänge ruhig nach jeder Frage. In beiden Fällen gehört zu jeder falschen Antwort eine Erklärung.
Den Fragenpool aufbauen
Ein Pool mit deutlich mehr Fragen, als ein Durchgang braucht, erlaubt mehrere Durchgänge, ohne dass Lernende nur Antworten wiedererkennen. Als Faustregel reichen zwei- bis dreimal so viele Fragen wie pro Durchgang. Quellen dafür sind eigene Fragen aus dem Unterricht, lizenzierte Übungsaufgaben und von KI erstellte Entwürfe, die fachlich geprüft wurden. Wie gute Fragen aussehen, zeigt der Beitrag Multiple-Choice-Fragen erstellen.
Die Auswertung nutzen
Nach Themen auswerten: Eine Gesamtpunktzahl sagt wenig. Erst die Ergebnisse je Thema zeigen, was vor der Prüfung noch geübt werden muss.
Auffällige Fragen prüfen: Eine Frage, die fast alle richtig beantworten, ist vielleicht zu leicht; eine, die fast alle falsch beantworten, ist vielleicht missverständlich oder falsch gelöst.
Früh starten: Eine erste Simulation einige Wochen vor der Prüfung lässt Zeit, Lücken zu schließen. Eine zweite kurz vorher zeigt, ob das gelungen ist.
So erstellen Sie eine Prüfungssimulation in Tarsus
In Tarsus wird eine Prüfungssimulation als Nugget mit Fragekarten angelegt. Vorhandene Multiple-Choice-Fragen lassen sich als CSV- oder Excel-Datei importieren, aus jeder Zeile entsteht eine Karte, oder der KI-Lerncoach schlägt Fragen aus den Kursunterlagen vor. In den Inhaltseinstellungen des Nuggets wählen Kursverantwortliche ein Punkte- oder ein Prozentsystem, legen eine Bestehensgrenze zwischen 30 und 100 Prozent fest und können ein Zeitlimit in Minuten einstellen, das mit dem Start des Nuggets abläuft. Nach jeder Antwort meldet Tarsus zurück, ob sie richtig war, und am Ende sehen die Teilnehmenden ihre Punktzahl und ob sie bestanden haben. Neue Nuggets sind zunächst nicht freigegeben, sodass eine Simulation erst dann sichtbar wird, wenn sie fertig ist.
Häufige Fragen
Wie lange sollte eine Prüfungssimulation dauern?
So lange wie die echte Prüfung, wenn es um die Generalprobe geht. Zum Üben einzelner Themen reichen kürzere Teilsimulationen mit derselben Zeit pro Frage.
Wie oft sollte man eine Prüfung simulieren?
Zwei- bis dreimal vor der Prüfung ist ein guter Rhythmus: einmal früh, um Lücken zu finden, und einmal kurz vorher, um den Stand zu prüfen. Dazwischen hilft regelmäßiges Üben mit kurzen Abfragen.
Sollten Lernende die Lösungen sofort sehen?
Das hängt vom Zweck ab. In einer Generalprobe lenken Lösungen während der Simulation eher ab, in Übungsdurchgängen helfen sie sofort. Wichtig ist, dass es zu falschen Antworten eine Erklärung gibt.
Kann eine KI die Fragen für eine Prüfungssimulation erstellen?
Sie kann Entwürfe aus den Kursunterlagen erstellen und so den Pool schnell vergrößern. Jede Frage sollte aber fachlich geprüft werden, bevor sie in eine Simulation kommt, die eine echte Prüfung nachbildet.





