Cognitive Load Theorie: Wie viel auf eine Lernkarte passt

Cognitive Load Theorie: Wie viel auf eine Lernkarte passt

Kurz gesagt: Das Arbeitsgedächtnis kann nur etwa vier Informationseinheiten gleichzeitig verarbeiten. Gutes E-Learning teilt Inhalte deshalb in kleine Schritte, lässt Überflüssiges weg und hebt das Wichtige hervor. Als Faustregel für Lernkarten gilt: ein Lernziel pro Karte, wenige Kernaussagen und kein Scrollen.


Was die Cognitive Load Theorie besagt

Die Cognitive Load Theorie geht auf den australischen Bildungspsychologen John Sweller zurück, der sie Ende der 1980er-Jahre beschrieb (Sweller, 1988). Ihr Kern: Neues wird im Arbeitsgedächtnis verarbeitet, und das ist knapp. Nach einer Übersicht des Bildungsministeriums von New South Wales kann ein Mensch im Durchschnitt nur etwa vier Informationseinheiten gleichzeitig im Arbeitsgedächtnis halten (CESE, 2017). Ist es überlastet, kommt das Neue nicht im Langzeitgedächtnis an.


Drei Arten kognitiver Belastung

  • Intrinsische Belastung: Sie steckt im Stoff selbst. Ein Steuerfall mit vielen Bedingungen ist schwerer als eine Begriffsdefinition.

  • Extrinsische Belastung: Sie entsteht durch die Gestaltung, etwa durch lange Textblöcke, Dekoration oder Erklärungen, die weit entfernt vom Bild stehen. Sie lässt sich fast immer senken.

  • Lernbezogene Belastung: Das ist die Anstrengung, die tatsächlich ins Verstehen fließt, also ins Verknüpfen, Üben und Anwenden. Gutes Design schafft Platz dafür.


Sieben Regeln für eine gute Lernkarte

  1. Ein Lernziel pro Karte: Legen Sie vorher fest, was jemand nach der Karte wissen oder können soll. Passt das nicht in einen Satz, sind es zwei Karten.

  2. Wenige Kernaussagen: Drei bis vier Informationseinheiten pro Karte sind ein guter Richtwert, angelehnt an die Grenzen des Arbeitsgedächtnisses.

  3. Kein Scrollen: Was nicht auf eine Karte passt, gehört auf die nächste. Scrollen trennt, was zusammengehört.

  4. Überflüssiges weglassen: Dekorative Bilder, Anekdoten ohne Bezug und Fülltext belasten, ohne zu helfen. Richard Mayer nennt das Kohärenzprinzip (Mayers 12 Prinzipien, Dartmouth).

  5. Wichtiges hervorheben: Fettdruck, Pfeile oder Farbe lenken den Blick auf das Entscheidende. Das ist das Signalisierungsprinzip.

  6. Text und Bild zusammen: Beschriftungen gehören direkt an das Bild, nicht in eine Legende darunter. So müssen Lernende nicht zwischen zwei Stellen hin- und herspringen.

  7. Vorlesen ist kein Erklären: Wird Bildschirmtext nur vorgelesen, verarbeiten Lernende dieselbe Information doppelt. Eine gesprochene Erklärung zu einer Grafik hilft dagegen, weil sich Augen und Ohren die Arbeit teilen.


Erst Beispiele, dann eigene Aufgaben

Wer neu in einem Thema ist, lernt mit ausgearbeiteten Lösungsbeispielen besser als mit offenen Problemen. Mit wachsender Erfahrung sollten Lernende dagegen mehr selbst lösen (CESE, 2017). Für Lernkarten heißt das: Anfangs zeigt eine Karte den Lösungsweg Schritt für Schritt, später fragt sie nur noch nach dem Ergebnis.


So berücksichtigt Tarsus die kognitive Belastung

Tarsus ist auf Microlearning ausgelegt. Inhalte liegen in Nuggets, die aus einzelnen Karten bestehen, und der Editor weist darauf hin, wenn der Text einer Karte zu lang wird. Im Modus „Wissen aufbauen“ erstellt der KI-Lerncoach aus den Unterlagen kurze, kompakte Lerneinheiten. Ist Audio aktiviert, erklärt eine Stimme die Folien wie eine Dozentin, statt den Text nur vorzulesen. Und beim Wissen testen beginnen die Fragen leichter und werden schwerer, sobald Lernende sicher sind.


Häufige Fragen

Wie viele Informationen kann das Arbeitsgedächtnis aufnehmen?

Etwa vier Informationseinheiten gleichzeitig, und das nur für kurze Zeit. Eine Einheit kann bei Erfahrenen allerdings mehr umfassen als bei Anfängern, weil sie Wissen zu größeren Mustern bündeln.


Was ist der Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Belastung?

Die intrinsische Belastung kommt aus der Schwierigkeit des Stoffs, die extrinsische aus der Art der Darstellung. Gute Gestaltung senkt die extrinsische Belastung; die intrinsische lässt sich vor allem durch eine sinnvolle Reihenfolge und Vorwissen beherrschen.


Ist Microlearning immer besser?

Nicht immer. Kleine Einheiten helfen, wenn sich ein Thema in Schritte zerlegen lässt. Bei Inhalten, die nur im Zusammenhang verständlich sind, braucht es zusätzlich Übersichten und Aufgaben, die die Teile wieder verbinden. Mehr dazu im Beitrag Wie gutes Microlearning aufgebaut ist.


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