Wenn Sie Weiterbildung in der Erwachsenenbildung verantworten, kennen Sie das Paradox. Sie bauen gute Programme, Sie strukturieren Inhalte sauber, Sie holen starke Trainerinnen und Trainer in den Raum. Und trotzdem entsteht im Kurs fast immer dieselbe Situation. Ein Teil der Gruppe ist schnell, ein Teil braucht mehr Übung, mehr Kontext, mehr Rückfragen. Je professioneller Ihre Zielgruppe, desto deutlicher wird diese Spreizung.
Das ist kein Didaktikfehler. Es ist ein Skalierungsproblem. Genau so beschreiben es viele Bildungsakademien, die Lernerfolg und Abschlussqualität sichern wollen, obwohl Zeit und Ressourcen begrenzt sind.
BWV Nordbayern-Thüringen startet die KI-Offensive
Das BWV Nordbayern-Thüringen hat dieses Problem nicht als Technikfrage behandelt, sondern als Qualitätsfrage. In der eigenen Kommunikation zur KI-Offensive wird klar, worum es ihnen geht. Digitale Weiterbildung soll flexibler machen, Inhalte effizient vermitteln und neue Zielgruppen erreichen. Sie formulieren das als bewussten Weg, den sie jetzt gehen.
Der entscheidende Punkt ist, was sie darunter konkret verstehen. Sie benennen sehr klar, was klassische Formate oft nur schwer leisten. Individuelles Üben soll unabhängig von der Verfügbarkeit der Trainerinnen und Trainer möglich sein. Feedback soll adaptiv und in Echtzeit kommen. Qualität soll skalieren, auch ohne Mindestteilnehmerzahlen. Kompetenzentwicklung soll messbar werden und nicht als Einmal-Seminar verpuffen.
Das ist eine sehr erwachsenenbildungsnahe Sicht. Nicht mehr Input, sondern mehr Übung, mehr Rückmeldung, mehr Fortschritt.
Der zweite Teil der Offensive ist Kompetenzaufbau im System
Das BWV setzt dabei nicht nur auf ein einzelnes Tool, sondern auf den Aufbau von KI-Kompetenz in Rollen, Teams und Formaten. Auf der BWV-Seite wird beschrieben, dass sie einen Promptathon organisieren, bei dem Beschäftigte aus Ausbildung und E-Learning praxisnahe Prompts entwickeln, testen und optimieren.
In einem begleitenden Podcastbeitrag wird der Einstieg über ein niedrigschwelliges Workshopformat beschrieben, mit Fokus auf konkretes Ausprobieren und gemeinsames Lernen.
Das ist wichtig, weil es zeigt, dass die Offensive nicht auf „mehr Automatisierung“ zielt, sondern auf eine saubere Einführung in Arbeitsweisen, die später in Kursen verlässlich tragen.
Wo ein KI-Lerncoach ins Spiel kommt
Wenn Sie die Ziele der KI-Offensive ernst nehmen, führt ein klassischer Weg schnell in eine Sackgasse. Mehr Personal hilft, aber es skaliert schlecht und wird teuer. Mehr interaktive Inhalte helfen, aber die Produktion dauert und bindet Kapazität. Und ein generischer Chatbot kann zwar Fragen beantworten, ist aber in Bildungssettings oft nicht zuverlässig genug, wenn es um didaktische Steuerung, verlässliche Antworten aus eigenen Unterlagen und nachvollziehbaren Lernfortschritt geht.
Genau an dieser Stelle passt der Ansatz eines KI-Lerncoaches. Nicht als Ersatz für Trainerinnen und Trainer, sondern als zusätzliche Ebene im Lernprozess. Ein KI-Lerncoach begleitet Lernende dort, wo die Lücke entsteht. Er unterstützt beim Verstehen, beim Üben, beim Überprüfen von Wissen und beim Transfer in die Praxis. Und er kann das so tun, dass Lernende im eigenen Tempo arbeiten können, ohne ständig auf Betreuung warten zu müssen.
Der entscheidende Unterschied ist, dass es nicht nur um Konversation geht, sondern um Lernarbeit. Ein Coach muss Lernende durch Inhalte führen, Missverständnisse erkennen, passende Beispiele geben, kurze Checks auslösen und gezielt nachschärfen. Genau damit werden die Ziele der Offensive praktisch.
Individuelles Üben wird möglich, weil Lernende jederzeit Übungssequenzen starten können, statt auf den nächsten Termin zu warten. Adaptives Feedback entsteht, weil Rückmeldungen nicht pauschal sind, sondern entlang des tatsächlichen Verständnisses erfolgen. Skalierbare Qualität entsteht, weil dieselbe Wissensbasis alle Lernenden unterstützt, ohne dass sie aus dem Lernfluss herausfallen. Und messbare Kompetenzentwicklung wird realistischer, weil Fortschritt nicht nur gefühlt, sondern nachvollziehbar wird.
Warum Sicherheit und Content-Bindung dabei zentral sind
In regulierten oder fachlich sensiblen Weiterbildungskontexten entscheidet Vertrauen. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass beim BWV Themen wie Sicherheit, Datenschutz, Hosting und Inhaltsschutz so stark gewichtet werden. Wenn Lernunterstützung auf internen Unterlagen basiert, muss klar sein, wie Inhalte geschützt sind und wie verlässlich das System innerhalb dieser Grenzen bleibt.
Genauso wichtig ist die Bindung an den eigenen Content. Denn nur wenn Lernunterstützung konsequent auf den Materialien aufbaut, die Sie verantworten, entsteht Verlässlichkeit. Alles andere wird schnell unpräzise, schwer steuerbar und am Ende riskant für Qualität.
Was Sie aus der BWV-Story ableiten können
Wenn Sie selbst überlegen, wie KI in Ihrer Erwachsenenbildung sinnvoll eingesetzt werden kann, hilft diese Reihenfolge.
Starten Sie bei der echten Engstelle. Heterogenität in Gruppen macht Betreuung teuer und macht Lernqualität fragil.
Definieren Sie dann die Wirkung, die Sie brauchen. Üben ohne Wartezeit, Feedback im Moment, Skalierung ohne Qualitätseinbruch, Kompetenzentwicklung, die sichtbar wird.
Bauen Sie parallel Kompetenz im Team auf, damit KI nicht nur genutzt, sondern sinnvoll eingesetzt wird.
Und erst dann wählen Sie Lösungen aus, die nicht nur Antworten liefern, sondern Lernprozesse wirklich unterstützen.
Das ist die eigentliche Pointe der BWV-KI-Offensive. KI ist dort kein Selbstzweck. Sie ist ein Weg, Lernende auch dann sicher zum Ziel zu führen, wenn Zeit, Betreuung und Gruppenheterogenität gegen Sie arbeiten.



